zum Theater Münster

Grußwort von Generalmusikdirektor Golo Berg

  • Golo Berg — © Oliver Berg
    Golo Berg
    © Oliver Berg

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Publikum,

mit der Saison 2017/18 übernehme ich das Amt des Generalmusikdirektors der Stadt Münster und tue dies im Bewusstsein um die Verantwortung für einen großartigen Klangkörper und ein renommiertes Musiktheater. Während vieler Konzerte und Vorstellungen der vergangenen Monate erlebte ich neben den beeindruckenden Leistungen auf der Bühne auch den kritisch-wohlwollenden Enthusiasmus des Münsteraner Publikums. Er hat seinen Ursprung in einem bürgerlichen Selbstverständnis, ohne das unsere einmalige deutsche Theaterkultur undenkbar wäre. Ich freue mich auf die Begegnung mit Ihnen!

Was »bürgerlich« sei, bedarf allerdings der ständig erneuerten Nachfrage, unterliegt doch auch diese gesellschaftliche Kategorie einem permanenten Wandel und wird heute von sehr unterschiedlichen Akteuren in Anspruch genommen. Lassen Sie mich auf Friedrich Schiller zurückgreifen, der 1795 formulierte, das Werkzeug zur »Veredelung des Charakters« sei die Kunst, denn sie sei immun gegen »die Willkür der Menschen« und ihren Inhalten und Zielen nach der »Wahrheit und Schönheit« verpflichtet. Er schrieb dies angesichts des Terrors im nachrevolutionären Frankreich, und wir wissen heute leider allzu gut, dass seinem Gedankengang nicht die Kraft innewohnte, die Katastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts zu verhindern. Dass aber die Kunst den Menschen bilde, seinen skeptischen Blick schärfe  und seine Sinne belebe, dass sie uns zu unbestechlichen, wachen Mit-Denkern erziehen möge – dies sei »bürgerlich« im besten Sinne!

Im geistigen Austausch mit Ihnen, unserem geschätzten Publikum, erfüllen wir Künstler diesen Dienst am Menschen, den uns Schiller zugedacht hat. Dabei wollen wir Sie gleichermaßen unterhalten wie zum Nachdenken anregen, eines aber vor allem: Sie beflügeln!

In diesem Sinne
Ihr Golo Berg


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